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Auf der Suche nach einem Plan

Anlässlich des 20. Jahrestages der Mondlandung verkündete der damalige US-Präsident George Bush (nicht George W. Bush, sondern sein Vater) am 20. Juli 1989 den Beginn eines neuen Raumfahrtprogramms der USA. Mit seiner Rede wollte er es John F. Kennedy gleichtun, der 1962 mit seiner denkwürdigen Ansprache das Apollo-Programm einleitete, das schliesslich 7 Jahre später in der ersten Mondlandung gipfelte.

Bush sprach von einem kontinuierlichen Programm zur Erforschung des Sonnensystems und von der dauerhaften Besiedelung des Weltraum. Er erklärte, dass ein 10-Jahres-Plan für ihn nicht ausreiche und verkündete anschliessend sein Programm: „Zunächst, im kommenden Jahrzehnt, den 90er Jahren: die Raumstation „Freedom" ... Dann, im neuen Jahrhundert: die Rückkehr zum Mond ... Anschliessend eine Reise in die Zukunft, zu einem anderen Planeten: eine bemannte Marsmission." Damit wurde die neue Weltraumerforschungsinitiative SEI geboren. Leider ging es damit nachher nur noch abwärts.

Nach Bushs Rede formierte sich ein überdimensionales und personell aufgeblasenes Team, in dem alle Abteilungen der NASA vertreten waren und das von allen wichtigen Unternehmen der Luft- und Raumfahrtindustrie unterstützt wurde. Dieses Team machte es sich zur Aufgabe, herauszufinden wie das Programm des Präsidenten verwirklicht werden könnte. Nach drei Monaten legte es einen Bericht mit dem Titel „Report of the 90-Day Study on Human Exploration of the Moon and Mars" vor. In diesem Bericht (der als „90-Tage-Report" bekannt wurde) ging man davon aus, dass die USA 30 Jahre zum Aufbau der Infrastruktur im Weltraum benötige, bevor der erste Mensch zum Mars aufbrechen könne. Bei diesem Projekt handelte es sich um das Umfassenste und kostspieligste Regierungsprojekt seit dem 2. Weltkrieg.

Zeichnung eines Marsschiffes wie es sich die NASA vorstellte

Die NASA wollte die vorgesehene Raumstation Freedom bauen, aber ihre Grösse verdreifachen. Unter anderem sollten riesige Montagewerften hinzukommen, in denen man auch die benötigten interplanetarischen Raumschiffe zusammenbauen wollte. Zusätzlich sollten weitere Anlagen zu Lagerung von kryogenem Treibstoff sowie Startrampen und Werkstätten im Erdorbit hinzukommen. Dieses ungeheure Materialaufgebot sollte dazu verwendet werden, um Raumschiffe für den Weg zum Mond zu bauen und zu warten. Drei schwere Raketen und ein Space Shuttle wären für jeden Start eines solchen Raumschiffs erforderlich. Jedenfalls war es 1969 nicht so kompliziert zum Mond zu gelangen. Die Mondschiffe sollten innerhalb von 10 Jahren das Material und die Geräte für eine riesige Mondbasis zum Erdtrabanten befördern. Zusammen mit den Anlagen in der Erdumlaufbahn sollten hier die mehr als 1000(!) Tonnen schweren Raumschiffe gebaut werden, die letztendlich den ersten Menschen zum Mars befördern sollten. Diese Schiffe sollten mit neuen völlig andersartigen Antriebssystemen ausgerüstet werden, was zu massiv erhöhten Entwicklungskosten geführt hätte. Natürlich zusätzlich zu denen, die man schon für die Entwicklung der neuen Mondschiffe hatte.

Erste Flüge zum Mars würden für Hin- und Rückreise 18 Monate beanspruchen. Dazu käme ein einmonatiger Aufenthalt in einem Marsorbit. Von hier aus sollte ein kleines (mitgebrachtes) Raumschiff eine Gruppe von Forschern für ca. 2 Wochen auf der Oberfläche absetzten und versorgen. In 14 Tagen würden diese Besucher allerdings nicht viel mehr zustande bringen, als einige Steine einzusammeln, eine Fahne aufzustellen und ein paar Fussabdrücke zu hinterlassen. Richtige Forschung benötigt aber Zeit, die diese Gruppe nicht zur Verfügung haben würde. Eine Mission ohne klare Resultate ist aber nicht sinnvoll.

Die Trans-Mars-Raumschiffe sollten schwer beladen losfliegen und leicht zurückkehren, da während des Fluges viele Teile wie z.B. Hitzeschilde und Treibstofftanks abgeworfen würden. Jede weiter Mission zum Mars hätte wieder astronomisch hohe Kosten zur Folge, ohne dass man weitere verwertbare Ergebnisse erhalten hätte.

Die veröffentlichte Variante das 90-Tage-Reports enthielt keine Kostenschätzung, obwohl eine solche durchgeführt worden war. Diese Information sickerte erst später an die Presse durch. Die Kosten dieses Planes sollten sich auf mindestens 450 Milliarden Dollar belaufen. Kein Projekt mit solch gewaltigen Kosten hatte eine Überlebenschance und der amerikanische Kongress lehnte in der Folge jeden SEI-Finanzierungsantrag ab.

Der grundlegende Fehler im 90-Tage-Report war wohl, dass er weder einer bestimmten Logik folgte, noch dass er neue Ideen einbrachte. Genau genommen war er nur ein Aufguss des 40 Jahre alten Plans namens „Marsprojekt". Dieses Projekt war in den späten 40er Jahren vom deutschen Raumfahrtpionier Werner von Braun und seinem Team ausgearbeitet worden. Der Plan wurde später etwas aktualisiert um 1969 die Grundlage für eine bemannte Marsmission der NASA zu dienen. Dieses Apollo-Nachfolgeprogramm wurde allerdings nie realisiert. Dieses abenteuerliche Programm ging von Starts aus gigantischen Raumstationen und ganzen Flotten überdimensionaler Raumschiffe aus. Was dann auf der Marsoberfläche zu geschehen hatte war zweitrangig. Dieser Plan wurde vom Team des 90-Tage-Reports mit allen zur Verfügung stehenden, allen zukünftig geplanten und allen ausgedachten Technologien derer man bei der NASA habhaft werden konnte garniert. Damit jeder mitmachen konnte, entwarf man den wahrscheinlich komplexesten und kompliziert möglichsten Plan der Möglich war. Das ist aber genau das Gegenteil von dem was vernünftig denkende Ingenieure tun sollten.

Robert Zubrin
Die Geburt von Mars Direct
Ein Szenario
Der Weg zum Mars
Zeitrechnung auf dem Mars
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